Nennt man diesen Freitag zwischen Christi Himmelfahrt und dem anstehenden Wochenende eigentlich auch „zwischen den Jahren“ oder „zwischen den Tagen“? Nein, ein Brückentag, ne? „Ein Liiiiied kann eiiiine Brücke seiiiiin“… *sing*… Ja, so kommt man von einem zum anderen, was?
Jedenfalls war heute Einkaufen angesagt. Wie immer zum Lidl in der Lohmühlenstraße, also eine U-Bahn-Station fahren. Ich komme dort beim Lidl an, trete ein und muss mit quietschenden Schuhsohlen, kürzestem Bremsweg und rudernden Armen in die Eisen steigen. Opa Ali Bengali steht mitten im Eingang zwischen den elektrischen, verwirrten Schiebetüren und fummelt gemütlich an seinem Jutesack rum. Also, an dem zum Einkaufen meinte ich jetzt. Müssen solche Leute eigentlich immer mitten im Weg stehen? Er erinnert mich schwer an meine Katze, die auch einfach irgendwo, wo es ihr gerade passt, stehen oder sitzen bleibt, um sich die Rosette zu putzen. Und ich komme gerade mit Schwung und vollem Teller aus der Küche und… Naja, Ihr könnt es Euch vorstellen… „Blumenkohl auf Boden an Kartoffeln auf feinstem Tischtuch“…
Opa Ali „Katze“ Bengali macht keine Anstalten, an die Seite zu gehen. Also setze ich den Blinker und biege mit einem gekonnten Ausfallschritt rechts ab. Dabei hab ich nicht in meinen nicht vorhandenen Rückspiegel geguckt und fast eine Frau umgerannt, die hinter mir ebenfalls den Laden betreten wollte. Um ein Haar hätte es einen Auflaufunfall erster Kajüte gegeben und Opa Ali Bengali hätte wohl nur dumm geguckt und sich gefragt, ob die Russen wieder kommen. Schwerverletzte, Krankenwagen, Intensivstation…
Aber nicht nur Opas mit Ministranten-, äh, Migräne-, nee, Menstruations-, auch nicht, ah, Migrationshintergrund stehen im Weg rum. Das scheint eine Eigenschaft der älteren Generation überhaupt zu sein. Denn kaum habe ich mir einen Einkaufswagen für einen Euro gekauft und will rückwärts aus dem Gatter heraus, steht vor Selbigem Oma Hilde und studiert ihren Kassenbon. Dabei hält sie ihn so nah vors Gesicht, dass sie schielt.
„Entschuldigung, darf ich mal bitte?“, frage ich.
Sie reißt den Kassenbon herunter und ich hatte für einen Moment den Eindruck, als ob sie immer noch schielt. „Ja doch.“
Und sie wirft mir einen nicht mehr schielenden, giftigen Blick zu.
„Ja, ich habe mir diesen Einkaufswagen hier gekauft, weil ich einkaufen wollte und nicht, um im Gatter zu campieren!“
Aber auch junge Leute wissen nicht, wo sie sich oder ihre Sachen am Geschicktesten abstellen können. Im Laden biege ich in einen Gang hinein und ramme meinen Einkaufswagen fast in einen anderen. In diesem Wagen hampeln zwei kleine Jungs mit Fahrradhelmen herum. „Ach“, denke ich mir, „kann man bei Lidl auch schon Kinder kaufen?“ Die Jungen hüpfen so stark im Lidl-Auto herum, dass der Wagen sich immer ein bisschen nach vorne und nach hinten bewegt. Mir fällt die Klitschko-Werbung für Milchschnitte ein: „Räääächts, nein liiiiinks…“ Wo soll man jetzt vorbei? Drüber oder durch geht ja nicht. Kurz die Lage gecheckt, Windgeschwindigkeit und Schneebefall berechnet und zack – links vorbei. Puh, gut gegangen. Sind die eigentlich allein im Laden, die Kinder? Von einem dazugehörigen Erwachsenen jedenfalls keine Spur…
Zwei Gänge weiter, das gleiche Bild. Wie konnten die Bälger nur so stark hin- und herwackeln, dass sich ihr Wagen gleich um zwei Gänge weiter verschob? Und auch hier krakeelen sie laut herum, die Jungs, und keine Spur von einem „Erziehungsberechtigten“.
An der Kasse wurde der Fall dann aufgeklärt. Sherlock ThoGa kombiniert messerscharf, dass der in der Schlange hinter ihm stehende Wagen, die beiden tobenden Kinder mit Fahrradhelmen daneben und der gelassen wirkende Mann am Wagen irgendwie zusammen gehören. Meine Waren befinden sich bereits auf dem Band, die Kinder streiten sich noch darüber, wer was auf das Band legen darf. Einer der beiden wuchtet gerade eine Melone aufs Gummi, die mindestens so groß wie sein Kopf mit Helm ist. Hurra, die Melone kann man prima wie eine Bowlingkugel auf dem Band hin- und herrollen lassen. Bevor sie über meine Chips donnert, knalle ich so ein Absperrplastikdingens (wie nennt man das eigentlich?) hinter meine Waren und stoppe mit der anderen Hand gekonnt die rollende Gefahr. Der Vater lächelt nur geheimnisvoll.
Nachdem die Jungs weiter toben, der Vater nichts dagegen unternimmt und sie mir einer nach dem anderen ein paar Mal in den Rücken gerannt sind, drehe ich mich um, beuge mich zu den Kindern herunter und sage mit einem freundlichen Lächeln: „Jungs, ihr müsst schon ein bisschen mehr Rücksicht auf die anderen Leute hier haben.“
Der Vater lächelt wieder geheimnisvoll und meint: „Seht ihr, der Mann hat Recht.“
„Ja, wenn Euch Euer Vater schon nicht erziehen kann, dann muss ich das eben machen, ne?“ sage ich ohne aufzublicken.
Das geheimnisvolle Lächeln des Vaters verschwindet augenblicklich, es weicht einem mit leicht zugekniffenen Augen, bitterbösen Blick. Mir egal. Ich zahle und Tschüss.
Zurück nach Hause. Ich steige vollbepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen (*sing*) wieder an meiner Heimat-U-Bahn-Station aus und stelle fest, dass die Rolltreppe nach oben mal wieder nicht funktioniert. Entnervt ziehe ich am Notschalter und löse den Alarm aus. WENN ich schon nix für die Bahnfahrt bezahle, dann soll wenigstens die Rolltreppe funktionieren!
Nachdem ich wieder zuhause bin, muss ich in die Waschküche. Denn heute habe ich mich zwischen 15 und 17 Uhr in den Waschkalender eingetragen, um die gemeinschaftliche Waschmaschine und Trockner nutzen zu können. Mittlerweile weiß ich auch von der einen frechen Nachbarin, die sich wohl generell nicht in den Kalender einträgt, sondern immer dann wäscht, wenn sie eine Maschine für frei hält. Es ist wohl schon ein paar Mal zu Unstimmigkeiten unter den Nachbarn gekommen, weil sie mit ihrer Taktik eine Maschine oder den Trockner blockiert hat, die eigentlich für den Eingetragenen frei sein sollten.
Jedenfalls komme ich mit Wäschekorb und Waschmittel in den Waschkeller und sehe, dass der Trockner noch läuft. Noch knapp eine Stunde. Natürlich habe ich sofort das Bild von der fiesen Nachbarin im Kopf und fange innerlich schon ein bisschen an zu kochen. Aber gut, ich muss ja nun erst einmal meine Wäsche waschen. Danach hat die „Dame“ dann wohl hoffentlich ihren Krempel aus dem Trockner geholt und ich kann ihn nutzen.
Eine knappe Stunde später betrete ich wieder die Räumlichkeiten, da meine Wäsche nun fertig gewaschen ist. Der Trockner ist zwar fertig, aber die Wäsche ist noch drin. Grummelnd denke ich, dass die Alte doch schleunigst ihr Zeug holen soll, sonst werde ich wirklich sauer.
Just in diesem Moment klappert die Tür und eine junge, blondgelockte, umwerfende Schönheit betritt lächelnd den kahlen Waschraum. Mir bleibt für einen Moment das Herz stehen, als sie sich schüchtern schauend bei mir entschuldigt, dass das Trocknen einen Tick länger gedauert hätte. Mäuschen, wenn ich DAS gewusst hätte, du hättest noch Stunden trocknen können! Als sie sich hinunter beugt, mir ihren gei…, räusper, ihre wohlgeformte Hinterseite entgegenstreckt und ihre String-Tangas aus dem Apparat holt, drehe ich mich verschämt zur Seite. Starr da nicht so hin!
Jetzt stehe ich da, unrasiert mit ungewaschenen Haaren, Käppi auf und bekleidet mit Schlabber-Jogginghose, T-Shirt und Badelatschen. Wie peinlich! Warum bin ich nicht frisch geduscht, rasiert, wohl riechend und bekleidet mit weißem, gestärktem und gebügeltem Hemd, schwarzer Fliege, schwarzem Smoking, Lackschuhen und überreiche Ihr kniend eine rote, langstielige Rose? Verbunden mit der Bitte, doch noch ein paar Minuten weiter zu trocknen?
Merke: Am nächsten Waschtag Frack und Zylinder bereit legen!
Freitag, 14. Mai 2010
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ran an die Frau, so lange sie noch zuhaben ist und bei dir nebenan wohnt ;)
AntwortenLöschenOder ist sie nicht Single???
LG