Montag, 24. Mai 2010

Sänk ju for träwweling wis Deutsche Bahn

„Meine Damen und Herren, in wenigen Minuten erreichen wir Hamburg Hauptbahnhof. Ihre nächsten Reiseverbindungen sind… (blabla). Vielen Dank für Ihre Reise mit der Deutschen Bahn. – Läidies änd Dschentelmän, sänk ju for träwweling wis Deutsche Bahn!“

Diesen letzten Satz habe ich auf meiner Fahrt von Hamburg nach Brühl über Köln und wieder zurück mehrmals hören müssen. Und bei jedem Mal war das Englisch schlechter. Naja… Und ich überlegte, warum ICH eigentlich dankbar bin, mit der Deutschen Bahn reisen zu dürfen.

Die Geschichte beginnt eigentlich schon beim Kartenkauf vor einigen Tagen. Ich komme ins Reisezentrum, an einem Sonntagnachmittag, weil ich hoffe, dass dann nicht so viel los ist. Und tatsächlich bin ich zunächst total erfreut, als ich sehe, dass an den drei Schaltern, die geöffnet haben (von insgesamt 15 oder so) jeweils nur eine Person steht. Wow, das ist ja unfassbar! Tja, aber leider nicht richtig. Denn nach den Umbaumaßnahmen des Hamburger Reisezentrums in der letzten Zeit läuft das jetzt anders bei der Deutschen Bahn. Nicht mehr anstellen in der Schlange und lange warten, nein, jetzt muss man ein Nümmerchen ziehen, auf die Bildschirme achten, die die nächste Nummer aufrufen und so lange in der Mitte des Reisezentrums auf den bequemen, roten Sofas Platz nehmen und DANN lange warten. Und jetzt sehe ich, dass dort einige Leute bereits sitzen und warten. Gut, ich ziehe eine Nummernkarte mit der Zahl N2085. Auf den Bildschirmen wird gerade die Nummer N2059 aufgerufen. Na toll! Ich setze mich auf eines der Sofas. Nach ein paar Minuten steht die ältere Dame neben mir mit der Nummer N2079 entnervt auf und verlässt mit den Worten „ich warte keine weitere Stunde mehr“ den Saal. Ich gucke noch mal auf den Bildschirm, N2062, dann auf meine Karte, N2085, stehe auf, gehe an den Automaten und ziehe mein Ticket dort. Ob ich bei einem persönlichen Gespräch mit einem der Mitarbeiter der Deutschen Bahn an einem der drei Schalter voraussichtlich am nächsten Morgen herausbekommen hätte, dass ich vielleicht günstiger hätte reisen können, weiß ich jetzt natürlich nicht.
Sänk ju for träwweling wis Deutsche Bahn.
Abfahrt in Hamburg um 07.46 Uhr. Der ICE, der in Hamburg-Altona startet und über Köln nach Frankfurt fährt, hat bereits zehn Minuten Verspätung. Klar, mit der S-Bahn braucht man von Altona bis zum Hauptbahnhof eine knappe Viertelstunde, mit Zwischenhalten an der Königstraße, der Reeperbahn, an den Landungsbrücken, der Stadthausbrücke, am Jungfernstieg, an der Holstenstraße, an der Sternschanze und am Dammtor-Bahnhof. Und so ein ICE muss auf seinem langen Weg vom Altonaer Bahnhof zum Hauptbahnhof immerhin am Dammtor halten. Da kann man sich schon mal um zehn Minuten verspäten.
Sänk ju for träwweling wis Deutsche Bahn.
Auf seiner Fahrt nach Köln holt der ICE zwei Minuten seiner Verspätung wieder auf. Ich muss in Köln in eine Regionalbahn nach Brühl umsteigen und hatte eigentlich nach Plan dafür zehn Minuten Zeit. Da der ICE aber noch acht Minuten Verspätung hat, wird’s wohl eng werden. Ich spurte also in Köln aus dem Zug, hechte die Treppe herunter, flitze einmal um den Pudding herum und die nächsten Stiegen wieder hinauf und erfahre dort, dass der Zug nach Brühl ebenfalls acht Minuten Verspätung hat.
Sänk ju for träwweling wis Deutsche Bahn.
Rückfahrt von Brühl über Köln und Hannover nach Hamburg am folgenden Tag. Bevor ich am Kölner Bahnhof in den ICE nach Hannover einsteigen kann, habe ich dort knappe 20 Minuten Aufenthalt. Ich entschließe mich, auf dem Gleis den markierten Raucherbereich zu suchen, um eine Zigarette zu rauchen. Ich erreiche den gelb gekennzeichneten Bereich. Daneben gibt es Sitzmöglichkeiten. Dort sitzen bereits zwei Herren und rauchen. Für einen kurzen Moment denke ich, dass die gelbe Markierung allerdings nicht bis dort reicht. Und ich bin doch immer so korrekt. Naja, andererseits habe ich aber auch keine Lust, meine Zigarette im Stehen zu rauchen. Also egal. Ich setze mich zu den Herren knapp neben der Rauchermarkierung, zücke meine Zigarettenpackung und… „Ding Dong. Meine Damen und Herren, bitte rauchen Sie in den ausgewiesenen Raucherzonen!“ Die beiden Männer und ich gucken uns an, wir grinsen, stehen gemeinsam auf, gehen einen Schritt nach rechts in die gelbe Markierung… „Ding Dong. Vielen Dank!“
Sänk ju for träwweling wis Deutsche Bahn.
In Hannover habe ich zum Umsteigen von dem einen in den anderen ICE laut Plan acht Minuten Zeit. Da der ICE von Köln nach Hannover aber bereits sechs Minuten Verspätung hat, ist wieder Hetze angesagt. Gut, ich muss nur von Gleis 9 auf Gleis 8 wechseln, das könnte auch am gleichen Bahnsteig gegenüber sein. Das wäre ja praktisch. Ich frage den Zugbegleiter. „Nein“, meint dieser, „Sie müssen einmal die Treppe runter und nebenan wieder rauf. Hier gegenüber ist nämlich Gleis 9A.“ Klar. Was auch sonst? Also wie gehabt. Der Zug hält, raus aus dem Zug, Treppe runter gehastet, um die Ecke geflitzt, Treppe wieder rauf auf Gleis 8 und ab in den ICE, der dort schon bereit steht. Im letzten Moment gucke ich auf die Anzeigetafel: ICE nach… BREMEN. Bremen??? Bremen ist nicht Hamburg! Bin ich um die falsche Ecke gebogen? Wieder raus aus dem Zug, die Treppe hinab. Auf der Treppe noch mal hastig den Fahrplan rausgeholt. Hm, ICE nach Hamburg in Hannover auf Gleis 8! Da war ich doch… Aaaaah, Gleis 8, D-H!!! Umgedreht, Treppe wieder hoch, halb kollabierend oben angekommen, keuchend knappe 100 Meter am ICE nach Bremen vorbeigehechelt, den zweiten ICE erreicht, Anzeigetafel zeigt „Hamburg-Altona“, rein in den Zug, piep piep piep, die Türen schließen. Mann!
Sänk ju for träwweling wis Deutsche Bahn.
Auf den Schreck brauche ich was zu trinken. Ich gehe ins Bord-Bistro. „Ei-ne Sprite bi-tte“, stöhne ich keuchend.
„Ham wa nich!“
„Kei-ne Sprite?“
„Nee, nur 7Up!“
„Gut“, das Augenrollen verkneif ich mir, „dann ei-ne Se-ven-Up!“
Während der Bordkellner die Pseudo-Sprite abfüllt, beruhigt sich mein Atem ein wenig. Ich frage den guten Mann, ob ich mich vielleicht hinsetzen könnte. Denn im Bistro-Bereich gibt es nur Stehplätze (früher konnte man da auch sitzen), nur im Bordrestaurant fünf Meter weiter gibt es Sitzmöglichkeiten. Er erwidert in seiner unnachahmlich „freundlichen“ Art, dass das der Restaurant-Bereich ist und da kann man nur sitzen, wenn man auch was isst, was im Restaurant serviert wird, nicht was man im Bistro bestellt. Na klar. Versteh ich doch! Ich schlürfe nun also mein Zitronenwasser stehend im Bistro, werde hin- und hergeworfen, verschütte aber Gott sei Dank kaum etwas und genieße den Ausblick auf… die Schienen. Denn die Fenster im ICE sind leider so niedrig, dass ich mich bücken müsste, um was anderes zu sehen, als die Schienen. Kleinere Menschen sind hier echt im Vorteil. (Gell, Laura? Hihi.)
Sänk ju for träwweling wis Deutsche Bahn.
Ich suche mir einen Platz in einem Großraumwagon. Schräg gegenüber sitzen drei junge Frauen, die wohl zusammen in den Urlaub nach Hamburg fahren. Das erschließt sich mir zumindest aus deren Unterhaltungen. Das Mädel, das mir gegenüber am Gang sitzt, hat eine klasse Figur und trägt einen extrem kurzen Minirock, der ihre schönen Beine zur Geltung bringt. Sie hat ihre Beine übereinandergeschlagen. Aber nicht Knie auf Knie, sondern Fußknöchel auf Knie. Das bedeutet, dass sich ihr Rock weitet und den Blick freigibt auf… Naja, jedenfalls scheint sie auf rosa Unterwäsche zu stehen. Und HIER muss ich nun wirklich einmal sagen:
SÄNK JU FOR TRÄWWELING WIS DEUTSCHE BAHN!!!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen