Einige von Euch kennen meine erste Odyssee bereits. Für die, die sie noch nicht kennen, weiter unten ist sie aufgezeichnet.
Es ist alles noch viel komplizierter und verwirrender, als man denkt!
Heute startete „Odyssee reloaded“, Teil 2 der never ending story „ARGE/Agentur für Arbeit“. Eigentlich sollte ich heute bei der ARGE nur vorsprechen, um einen Vorschuss in bar auf mein noch ausstehendes ALG II erhalten, damit ich in dieser Woche wenigstens mal einkaufen gehen kann. Zusätzlich hatte ich mir am Wochenende ein paar Fragen aufgeschrieben, die ich noch loswerden wollte.
Ich komme also heute Morgen bei der ARGE an, schreite fröhlich durch die bereits erwähnte Möööp-katschumm-Tür an den wartenden Bittstellern vorbei, die Treppe hoch zum Büro von Frau Zahn, die mich für heute vorgeladen hat. Bestimmt klopfe ich an die Tür und nach der von innen erschallenden Aufforderung betrete ich das Büro. Ich bins, der Herr Gawandtka, ich hab hier jetzt nen Termin.
Ich werde gefragt, ob ich mir denn sicher sei. Ja, ich sei mir sicher. Gut, ich solle bitte draußen kurz Platz nehmen und warten, sie checke das jetzt erstmal. Also mache ich es mir auf einem der grauen Schalensitze im Gang gemütlich. Kurze Zeit später steckt Frau Zahn ihren Zahn, nein, den ganzen Kopf durch die Tür und sagt nur: „Wegen der Vorauszahlung, ne?“
Ich bejahe diese Frage und werde wieder hinein gebeten.
Die Vorauszahlungsgeschichte ist nach kurzer Zeit schon gegessen. Ja, das restliche Geld ist spätestens am Mittwoch auf meinem Konto. Gott sei Dank, denn da ist nix mehr drauf und Telefon- und Internetanbieter stehen schon in den Startlöchern und wollen Bares sehen. Die meisten meiner Fragen können mit Nein beantwortet werden und eigentlich wäre jetzt alles gut. Da sehe ich auf dem Bescheid, den mir Frau Zahn ausdruckt, dass dort eine falsche Kontonummer für die Überweisungen angegeben wurde.
Oh nein, das darf nicht wahr sein. Frau Zahn vergleicht noch mal die Kontonummer in ihrem Computer mit der von meinem Antrag und stellt fest: „Ja, das ist wirklich die Falsche!“
„Dat janze Schmölzchen widder öm“, würde man jetzt in meiner rheinischen Heimat sagen. Das Geld, was jetzt irrtümlich an das nicht mehr existierende, falsche Konto überwiesen wurde, kommt zurück. Aber erst in sechs bis acht Wochen. So lange kann man mich natürlich nicht warten lassen, darum wird das Geld jetzt noch ein weiteres Mal auf das richtige Konto angewiesen. Das ist dann aber natürlich nicht am Mittwoch da, sondern frühestens am Freitag. Das irrtümliche Geld geht automatisch an die ARGE zurück. Es könnte aber auch sein, dass es mir trotzdem auf mein richtiges Konto umgeleitet wird. Wenn das passiert, soll ich mich schleunigst wieder melden, sonst gibt es richtig Haue!
Ok, geht klar.
Und wenn die Agentur die angedrohte Sperre doch wieder aufhebt, dann wird das zurückgehaltene Geld ausgezahlt. Normalerweise wird das direkt an die ARGE geschickt und verrechnet, aber es könnte auch sein, dass die Agentur es mir erst auf mein Konto überweist. Auch dann sofort melden, sonst…
Ok, geht auch klar.
Hauptsache am Ende der Woche ist Geld aufm Konto!
Dann sehe ich auf dem Bescheid, dass ich das Geld für April UND Mai überwiesen bekomme. Wie jetzt? Ich dachte, rückwirkend für den April. Oder doch nicht?
Frau Zahn erklärt es mir: Das ALG wird immer im Voraus für einen Monat gezahlt. Ich hätte also bereits am 1.4. Geld für den April bekommen müssen. Das ist allerdings aufgrund der angedrohten Sperre nicht erfolgt und darum wird es mir jetzt rückwirkend gezahlt. Und gleichzeitig dazu natürlich das Geld für Mai.
Aha.
Und in Zukunft, wenn die Sperre nicht durchgeführt wird oder zumindest wenn sie durch ist, dann erhalte ich einen Teil meines monatlichen Geldes von der Agentur (ALG I) und den Rest von der ARGE (Aufstockung ALG II). Und zwar auch in zwei Beträgen. Herrlich. Gott sei Dank hab ich ein gebührenfreies Konto!
In dem Moment denke ich: „Die sind ja schön blöd. Ich hab doch Ende März rückwirkend für März mein letztes Gehalt von meinem letzten Arbeitgeber bekommen. Davon hab ich im April alle meine Ausgaben bestritten. Jetzt bekomme ich rückwirkend NOCH EINMAL Geld für April von der ARGE.“
Juchu, ich bin reich! Schampus, leichte Mädchen, Segeljacht… Was kostet die Welt? Hoch die Tassen! Ich hab den Staat ausgetrickst! I am se God of ARGE!
Also, ich bekomme nun zum Ende der Woche eine Nachzahlung für April sowie eine Vorauszahlung für Mai. Mit dem Vorschuss, den ich heute erhalten habe und mit der Nachzahlung am Ende der Woche kann ich dann mein Wochengeld nachwirkend aufstocken. Der Vorschuss wird also mit dem Nachschuss zum Volltreffer!
Alles klar?
Nachdem nun alle Klarheiten beseitigt waren, verließ ich frohen Mutes und mit wippendem Gang das Büro von Frau Zahn. In der Hand eine Chipkarte, mit der ich am Kassenautomat in der Eingangszone den Vorschuss erhalten werde.
Das klappte auch reibungslos.
Auf dem Nachhauseweg wurde meine Stimmung dann merklich getrübt. Ich wusste nämlich, dass die Sache bestimmt einen Haken hat! Und tatsächlich, so ganz ausgereift war die Idee mit dem vielen Geld aufgrund der Nachzahlung dann doch nicht…
Wenn ich nämlich irgendwann einmal wieder in einen Job komme, was ich ja schwer hoffe, dann wird mir der neue Arbeitgeber das Gehalt ja erst RÜCKWIRKEND für einen Monat zahlen. Somit werde ich also im Monat VOR meiner neuen Anstellung zum letzten Mal am Anfang des Monats Geld von der ARGE erhalten. Im darauf folgenden Monat erhalte ich mein erstes Arbeitsgehalt allerdings erst am ENDE des Monats. Also muss das ARGE-Geld für zwei Monate reichen!
Aha! Mist, ich wusste, das konnte ja nicht gut gehen. Die Nachzahlung für April muss ich mir dann für exakt diesen einen Monat Luft auf Seite packen.
In Gedanken platzt eine Seifenblase, der Schampus kippt um, die leichten Mädels sind in den wohlgeformten Hintern gekniffen und die Segeljacht nimmt Kurs ohne mich auf… Ahoi, Matrosen! Ein anderes Mal, vielleicht…
Montag, 3. Mai 2010
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