Gerade hatte ich Besuch von einem Bekannten. Jetzt habe ich kurz aufgeräumt, das Geschirr in die Küche gebracht und mich aufs Sofa zu meinen Katzen gesetzt.
Fernsehen? Ach nee, keine Lust. Lesen? Ach, auch nicht? Spazieren gehen? Es regnet… Hm, ich bleibe einfach mal nur so sitzen. Ohne Fernseher, ohne Buch, ohne Musik, einfach mal nur sitzen. Nichts tun. Füße hoch, eine Katze im Arm und einfach mal nur die Stille genießen.
Die Stille?
Die Balkontür steht auf Kippe. Von draußen hört man leises Vogelgezwitscher. Aber nur wenig, denn es regnet. Der Regen rauscht in den Bäumen, fällt auf die im Frühling noch kleinen, neuen Blätter an den Ästen. Irgendwo piept eine Alarmanlage in einem Ton in hoher Frequenz. Ich höre von der Straße hinter der gegenüberliegenden Häuserfront ein Auto anfahren. Das muss ein LKW gewesen sein. Oder ein Motorrad? Überhaupt hört man neben all den einzelnen Geräuschen ein waberndes, rauschendes Hintergrundgeräusch. Verkehrslärm. Es hört sich an, als ob es nie aufhören würde. Da, ein quietschender Reifen, jetzt ein Fahrzeug mit lautem Martinshorn. Tatü tata. Ich höre Kinderstimmen, ein Hund bellt. Bei so einem Sauwetter draußen zu spielen fand ich früher auch immer ganz toll. Der Regen geht kurzzeitig in Hagel über und es prasselt auf meine Fensterscheiben. Das macht ganz schön Lärm. Meine Katzen verfolgen gespannt die tanzenden Hagelkörner auf dem Balkon.
Als der Hagel nachlässt und sich wieder in Regen verwandelt hat, widmen sich meine Katzen ihrer Leckerlies-Kiste. Das ist ein Karton, in den ich kleine Löcher geschnitten und mit kleinen Leckerlies gefüllt habe. Jetzt wird eine Pfote durch ein Loch hineingesteckt und ein Leckerchen gejagt. Pfote raus, Schnauze rein und versuchen, den Karton anzuheben. Rumms, kracht der Karton wieder auf den Boden. Jetzt schiebt ihn eine Katze durch das Zimmer und der Karton schleift über das Parkett. Zack, mit einer Pfote wurde gegen die Schachtel gehauen, sodass die Leckerlies laut rascheln.
Aus der Küche höre ich ein regelmäßiges, schnelles, monotones „Tock tock tock“. Da muss an der Dachrinne irgendwo etwas undicht sein, sodass es immer wieder auf mein Fensterbrett tropft. Wenn der Wind weht, hört das Tocken kurz auf und die Tropfen fallen wohl direkt auf den Boden. Dann kommt das Tocken schnell wieder zurück und klopft immer wieder in mein Ohr.
Der Videorekorder summt leise. Stimmt, ich nehme gerade einen Film auf. Der Nachbar drückt die Wasserspülung in seinem Badezimmer. Uh, Bilder im Kopf… Draußen rufen Leute…
Plötzlich hört der Regen fast schlagartig auf. Es weht kein Wind mehr, keine Bäume rascheln. Und auch der Verkehrslärm ist irgendwie grad weniger geworden. Oha, die neue Stille ist fast unheimlich. Aber es währt nur Sekunden. Dann windet es wieder, die Bäume rauschen, die Autos fahren wieder weiter, das wabernde, immerwährende Geräusch ist wieder da und bringt mir ein Stück Sicherheit in meine Gedanken.
So still ist es gar nicht, wenn man mal drauf achtet. Dabei sind diese Geräusche doch fast immer da. Man nimmt sie nur nicht mehr so wahr.
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